Verlässlicher Nahverkehr braucht Resilienz

MIT Oldenburg kritisiert VWG-Betriebseinstellung und fordert Resilienzkonzept für den ÖPNV

3. Januar 2026

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Oldenburg-Stadt übt deutliche Kritik an der vollständigen Einstellung des Busverkehrs durch die Verkehr und Wasser GmbH (VWG) am Samstag, 3. Januar 2026.

Während die Stadt Oldenburg gemeinsam mit der VWG im Rahmen des regelmäßigen Wochenendsangebots „Samstags einfach Busfahren“ dauerhaft für den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr und einen Besuch der Innenstadt wirbt, kam es am Samstagnachmittag beim ersten nennenswerten Schneefall des Winters zum vollständigen Stillstand des ÖPNV. Viele Bürgerinnen und Bürger strandeten dadurch ohne verlässliche Rückfahrmöglichkeit.

Nach Auffassung der MIT rechtfertigte der Wetterverlauf keinen totalen Stillstand des Busverkehrs. In zahlreichen anderen Kommunen existieren abgestufte Winter- und Notfallkonzepte, die auch bei schwierigen Witterungsverhältnissen zumindest einen eingeschränkten Betrieb ermöglichen.

Der Kreisvorsitzende der MIT Oldenburg-Stadt, Daniel Kaszanics, erklärt dazu:

„Dass die VWG gegen 13:00 Uhr die weiße Fahne hisst, während Busse anderer Verkehrsbetriebe teilweise noch rollen, ist in diesem Umfang unverständlich. Ebenso ist zu klären, ob die AWB ausreichend vorbereitet war und auch dann in Abstimmung mit der VWG arbeitete, um als Priorität 1 den Streckenbetrieb aufrecht zu erhalten.“

Besonders kritisch sieht die MIT den Umstand, dass die Betriebseinstellung ausgerechnet an einem Samstag erfolgte, der Teil des Projekts „Samstags einfach Busfahren“ (SEB) ist. Mit diesem dauerhaft beworbenen Angebot wollen Stadt und VWG den Umstieg auf den ÖPNV sowie die Stärkung des innerstädtischen Einzelhandels fördern.

„Man kann die Menschen nicht mit Gratis-Tickets in die Stadt locken und sie dann bei der Rückreise im Stich lassen“, so Kaszanics. „Wer die Vision einer autofreien Innenstadt propagiert, darf nicht beim ersten Zentimeter Schnee kapitulieren. Dieser ‚Flockdown‘ ist ein Desaster für das Vertrauen in den Nahverkehr.“

Um die Mobilität der Bürgerinnen und Bürger sowie die Erreichbarkeit der Innenstadt und der Wirtschaft künftig besser abzusichern, fordert die MIT die Einführung eines verbindlichen 3-Stufen-Resilienzkonzepts für den öffentlichen Nahverkehr, wie es in anderen Städten bereits existiert:

  • Stufe 1 – Regelbetrieb: Vollständige Bedienung aller Linien bei normaler Winterwitterung.
  • Stufe 2 – Kernnetz-Betrieb: Bedienung eines garantierten Grundnetzes, etwa durch zwei Not-Ringlinien (innen/außen) sowie zwei Hauptachsen (Nord–Süd / West–Ost). Kritische Streckenabschnitte wie die ZOB-Unterführung werden dabei bewusst umfahren, um den übrigen Verkehrsfluss zu sichern.
  • Stufe 3 – Einstellung des regulären Betriebs: Ergänzung durch einen Taxi-Notverkehr für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, beispielsweise mit Gehhilfen, sofern selbst das Kernnetz nicht mehr sicher befahrbar ist.

Die sozialen Folgen eines vollständigen Stillstands hebt Kaszanics besonders hervor:
„Bürger mit körperlichen Einschränkungen, die sich mit Krücken mühsam zu Fuß auf den Heimweg machen müssen, weil sie sich die Taxikosten nicht leisten können, passen nicht zum Bild einer sozialen und modernen Stadt.“

Die MIT fordert die Stadtverwaltung sowie die Geschäftsführungen von AWB und VWG auf, umgehend in die Planung eines solchen Resilienzkonzepts einzusteigen, damit der nächste Schneefall nicht erneut zu einem Systemkollaps im öffentlichen Nahverkehr führt.